Kanadische Aktien von Deutschland aus kaufen
Viele kanadische Rohstoff- und Wachstumsunternehmen sind an einer kanadischen Börse gelistet und lassen sich zusätzlich an deutschen Handelsplätzen wie Frankfurt oder Tradegate handeln. Für Anlegerinnen und Anleger in Deutschland stellt sich deshalb eine praktische Frage: Über welche Wege lässt sich eine kanadische Aktie handeln, und welche Kosten und Risiken sind damit verbunden?
Dieser Ratgeber erklärt die beiden grundsätzlichen Wege, die Handelszeiten und die Kostenbausteine und beschreibt, welche Punkte vor einer Order eine Rolle spielen. Er enthält keine Empfehlung für einzelne Wertpapiere oder Anbieter.
Zwei Wege: Heimatbörse oder deutscher Handelsplatz
Eine in Kanada gelistete Aktie können Sie auf zwei Wegen handeln:
- Direkt an der kanadischen Heimatbörse, also an der Toronto Stock Exchange (TSX), der TSX Venture Exchange (TSXV) oder der Canadian Securities Exchange (CSE). Dort findet in der Regel der Großteil des Handels statt, und der Kurs wird in kanadischen Dollar (CAD) festgestellt.
- An einem deutschen Handelsplatz, an dem die Aktie zusätzlich gehandelt wird, häufig im Freiverkehr (Open Market) der Börse Frankfurt oder bei Tradegate. Die Kurse werden dort in Euro gestellt.
Welcher Weg passt, hängt vom Broker, von der Liquidität der Aktie und von den Kosten ab. Wichtig: Nur weil es ein deutsches Zweitlisting gibt, wird dort noch nicht automatisch nennenswert gehandelt. Mehr dazu im Ratgeber zu Zweitlistings (Zweitlistings in Frankfurt und Tradegate).
Handelszeiten im Überblick
Die Handelszeiten unterscheiden sich deutlich, und das kann für die Preisqualität entscheidend sein.
| Handelsplatz | Reguläre Handelszeit | Quelle | |---|---|---| | TSX und TSX Venture | 9:30 bis 16:00 Uhr Eastern Time (fortlaufender Handel) | TMX Group | | Kanada (direkt über Depot) | Typischerweise etwa 15:30 bis 22:00 Uhr deutscher Zeit; in Umstellungswochen kürzer | Preisverzeichnis des Brokers | | Börse Frankfurt (Fortlaufende Auktion mit Spezialist) | Aktien 8:00 bis 22:00 Uhr | Deutsche Börse | | Tradegate | Montag bis Freitag 7:30 bis 22:00 Uhr | Tradegate BSX |
Das heißt: Am deutschen Vormittag und Mittag ist die kanadische Heimatbörse geschlossen. Wer dann in Frankfurt oder bei Tradegate handelt, bekommt Kurse, die ein Spezialist oder Market Maker stellt, ohne dass in Kanada gleichzeitig ein laufender Referenzkurs entsteht. Ab 15:30 Uhr deutscher Zeit (in den Umstellungswochen teils ab 14:30 Uhr) laufen beide Märkte parallel.
An deutschen Börsenfeiertagen können je nach Broker Einschränkungen für Auslandsorders gelten. Maßgeblich sind die aktuellen Hinweise in der Ordermaske und im Preisverzeichnis Ihres Anbieters.
Depot und Zugang zu den Handelsplätzen
Zum Handel brauchen Sie ein Wertpapierdepot bei einem Anbieter, der den gewünschten Weg unterstützt: direkten Zugang zu kanadischen Börsen (TSX, TSX Venture, CSE) oder Handel über deutsche Handelsplätze mit Zweitlisting.
Nicht jedes Depot bietet beide Wege. Ob und wie Kanada in der Ordermaske erreichbar ist, welche Ordertypen möglich sind und welche Entgelte anfallen, steht im Preisverzeichnis und in den Hilfetexten des Anbieters. Die Angaben können sich ändern; vor der ersten Order lohnt sich ein Abgleich mit dem konkreten Wertpapier (ISIN, Handelsplatz, Liquidität).
Die Kostenbausteine einer Auslandsorder
Die Gesamtkosten einer Order setzen sich meist aus mehreren Teilen zusammen. Nicht jeder Baustein fällt bei jedem Broker an:
- Orderprovision des Brokers: fest, prozentual oder gestaffelt, je nach Preisverzeichnis.
- Handels- oder Börsenplatzentgelte: Pauschalen oder prozentuale Entgelte für Auslands- oder Börsenplatzgebühren; bei manchen Anbietern zusätzlich „fremde Spesen“.
- Währungsumrechnung: Beim Handel in Kanada wird in CAD gehandelt und meist in Euro abgerechnet. Der verwendete Devisenkurs kann einen Aufschlag enthalten; ein separates Währungskonto kann die Umrechnung beeinflussen.
- Geld-Brief-Spanne (Spread): Die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs ist ein indirekter Kostenfaktor. Bei wenig gehandelten Small Caps kann sie beträchtlich sein, an der Heimatbörse ebenso wie am deutschen Handelsplatz.
- Teilausführungen: Ob Teilausführungen am selben Tag zusätzliche Entgelte auslösen, hängt vom Anbieter ab.
Bei kleinen Orders können fixe Auslandsentgelte prozentual stark ins Gewicht fallen. Bei Aktien mit geringem Umsatz kann umgekehrt ein breiter Spread an einem deutschen Handelsplatz teurer sein als ein fixes Entgelt an der liquideren Heimatbörse. Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Den Ausschlag geben die konkrete Order und das aktuelle Preisverzeichnis des Brokers.
Das richtige Wertpapier finden
An ihrer Heimatbörse haben kanadische Unternehmen ein Börsenkürzel (Ticker), in Deutschland sucht man sie über ISIN und WKN. Ein paar praktische Hinweise:
- ISIN prüfen: Kanadische Aktien haben in der Regel eine ISIN, die mit „CA“ beginnt. Der Abgleich der ISIN am deutschen Handelsplatz und an der Heimatbörse zeigt, ob es sich um dasselbe Wertpapier handelt.
- Namensänderungen und Zusammenlegungen: Kleine Gesellschaften ändern gelegentlich Namen oder führen Aktienzusammenlegungen durch. Die BaFin nennt mehrfache Namensänderungen in kurzer Zeit ausdrücklich als ein mögliches Warnsignal für Marktmanipulation.
- Pflichtveröffentlichungen: Börsenpflichtige Mitteilungen, Finanzberichte und technische Berichte kanadischer Emittenten werden über SEDAR+ veröffentlicht, das System der kanadischen Wertpapieraufsichtsbehörden (Canadian Securities Administrators). Dort lassen sich Angaben aus Werbung oder Foren mit den Originaldokumenten vergleichen.
Limitierte und unlimitierte Orders
Bei kleinen, wenig gehandelten Werten ist eine unlimitierte Order (Market Order) riskant, weil sie zum nächsten verfügbaren Kurs ausgeführt wird, und dieser kann deutlich vom zuletzt angezeigten Kurs abweichen. Eine limitierte Order begrenzt den Ausführungspreis; dafür besteht das Risiko, dass sie nicht ausgeführt wird. Bei kanadischen Börsenplätzen wird das Limit in der Regel in CAD angegeben.
Steuern im Blick behalten
Dividenden kanadischer Gesellschaften unterliegen in Kanada einer Quellensteuer, die über das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Kanada begrenzt wird. Kursgewinne werden bei in Deutschland ansässigen Privatanlegern grundsätzlich in Deutschland besteuert. Die Details, einschließlich Anrechnung und Erstattung, erklärt unser Ratgeber zur Quellensteuer (Kanadische Quellensteuer und deutsche Abgeltungsteuer).
Prüfliste vor der ersten Order
- Bietet mein Broker den Handel an der Heimatbörse der Aktie an (TSX, TSXV oder CSE) oder nur an deutschen Handelsplätzen?
- Welche Kosten fallen konkret an: Provision, Handelsplatzentgelt, fremde Spesen, Devisenaufschlag?
- Wie hoch ist der aktuelle Spread am gewählten Handelsplatz, und wie viel wurde dort zuletzt gehandelt?
- Handele ich zu einer Zeit, in der die Heimatbörse geöffnet ist?
- Stimmt die ISIN überein, und habe ich die aktuellen Pflichtmitteilungen auf SEDAR+ gelesen?
- Ist die Order limitiert oder unlimitiert, und welcher Ausführungspreis ist damit möglich?
- Bin ich bereit, das eingesetzte Kapital im schlimmsten Fall vollständig zu verlieren?
Fazit
Kanadische Aktien sind von Deutschland aus auf zwei Wegen zugänglich: direkt an TSX, TSX Venture oder CSE, sofern Ihr Depot diesen Zugang bietet, oder über deutsche Zweitlistings in Frankfurt und bei Tradegate. Welcher Weg im Einzelfall günstiger ist, hängt von Ordergröße, Liquidität, Spread und Handelszeit ab. Kostenbausteine, Handelszeiten und Originalquellen sind die Punkte, an denen sich die Wege am deutlichsten unterscheiden.
Keine Anlageberatung. Dieser Beitrag dient nur der Information und ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder für einen bestimmten Anbieter. Aktien kleiner Unternehmen sind hochriskant, oft wenig liquide und können bis zum Totalverlust fallen. Die Redaktion hält keine Positionen in Wertpapieren der in unseren Beiträgen behandelten Emittenten. Stockwire erhält keine Vergütung von Emittenten.